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Ingvar AmbjörnsenDas Katzenhaus am Grindelberg

Von Oslo an den Grindelberg


Ingvar Ambjörnsen macht seiner Wahlheimat Hamburg eine Liebeserklärung: Vor meinem Umzug von Oslo nach Hamburg bin ich zwei Jahre zwischen beiden Städten gependelt. Einige Wochen in Oslo. Einige Wochen in Hamburg. Als Transportmittel nahm ich die Fähre nach Kiel, wo damals der Bus nach Hamburg bei der Ankunft schon bereitstand. Und immer, wenn der Bus sich Hoheluft näherte, um dann an der großen Wandmalerei der beiden Katzen vorbeizufahren, wusste ich es: Jetzt bin ich am Ziel. Wieder in Hamburg. Und ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie ich einmal bei der Ankunft dachte: Es muss so schön sein, in diesem Stadtteil zu wohnen! Aber der Bus brachte mich weiter, nach St. Georg, wo ich mein erstes Zuhause in der Stadt an der Elbe fand. Für sieben Jahre, die produktivsten in meinem Leben, und das, obwohl der Irrsinn in St. Georg jede Menge Versuchungen für einen jungen Mann bereithielt. Es war ein schöner Aufenthalt auf dem Weg zum Alter.


Eine Wohnung mit zwei Arbeitszimmern


Als wir dann später eine Wohnung kaufen wollten, war es nicht so wichtig, wo in der Stadt die lag, nur nicht ganz weit draußen. Ein Autor und eine Übersetzerin aber brauchen Platz für zwei Arbeitszimmer (und mehrere tausend Bücher), und eine solche Wohnung zu einem bezahlbaren Preis fanden wir nicht sofort. Aber um die Sache kurz zu machen: Die erste Wohnung, die unseren Wünschen und Hoffnungen entsprach, lag ungefähr genau dort, wo ich sieben Jahre zuvor gedacht hatte: Es muss so schön sein, hier zu wohnen. Ich bin Schriftsteller und also Lügner von Beruf, aber das ist wirklich wahr. Ich träumte von Hoheluft, und das schon lange, ehe ich auch nur die geringste Ahnung vom prachtvollen Isemarkt hatte, oder von der Freude, auf einer Bank im Innocentia Park zu sitzen und gar nichts zu tun. Und mein Traum wurde Wirklichkeit. Hier bin ich gelandet.

Was macht diesen Teil von Hamburg für mich so attraktiv? Diese Frage ist wirklich sehr leicht zu beantworten. Es ist die Ruhe. Trotz des Verkehrs am Grindelberg, daran gewöhnt man sich schnell. Aber hier strahlen Häuser und Straßen einfach Ruhe aus, obwohl wir uns doch mitten in einer pulsierenden Großstadt befinden. Es gibt hier geheime Idylle, die man nur zu Fuß entdecken und erreichen kann. Und ich bin sehr oft zu Fuß unterwegs. Als alter Amateurornithologe muss ich sowieso meine Begeisterung für unser Viertel zum Ausdruck bringen dürfen. Hier brüten Arten, die man in der freien Natur Norwegens, wo ich aufgewachsen bin, nur äußerst selten beobachten konnte. Das beste Beispiel ist vielleicht der prachtvolle Haubentaucher, der jederzeit auf dem Isekanal zu bewundern ist. Oder (in einem seligen Augenblick und bisher zum einzigen Mal in meinem Leben) der unglaubliche Anblick eines Eisvogels, dieses fliegenden Juwels, türkis, metallisch. Und die Raubvögel! Der Turmfalke, der über den Hochhäusern segelt. Der Sperber. Diese Vögel sind hier. Sie bedeuten für uns, die in dieser Stadt wohnen, etwas Großes und Wertvolles. In den letzten Jahren habe ich das Leben im Kinderzimmer des Blässhuhns verfolgen können, vom Legen der Eier über die Brutzeit bis zum Schwimmtraining, und das, während ich ganz einfach an den Kanälen meines Wohnviertels entlangschlendere. Mitten in einer Großstadt! Das ist phantastisch. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie viele Norweger ich im Laufe dieser Jahre durch das Viertel geführt habe - aber es waren viele. Und alle reagieren auf dieselbe Weise. Das hätten sie sich in Hamburg nicht einmal in ihren wildesten Phantasien vorstellen können. Ingvar Ambjörnsen

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